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Mein Senf zum Film – The Last House

  • Autorenbild: Sam Kohler
    Sam Kohler
  • 22. Aug.
  • 7 Min. Lesezeit

Heute ist ein sehr sonniger und – leider noch immer – trockener Samstag. In Zürich findet gerade die nächste Street Parade statt, und nach dem Verkehr auf der Strasse zu urteilen, kommen die ersten oder letzten Menschen wieder aus ihren Ferien zurück. Der perfekte Zeitpunkt also, dass ich es mir vor allem auf dem Sofa gemütlich mache. Als Unterhaltung entschied ich mich nach langem mal wieder für einen Film – anstelle einer nächsten Folge, der unzähligen von mir begonnenen Serien. Gut, die letzte Nacht war mal wieder für die Mülltonne, so dass mein Spiegelbild am Morgen einen reduzierten Eindruck

auf mich machte.



Als ich für die Filmauswahl den Streaming-Dealer meines Misstrauens öffnete – Netflix –, sprang mir ein Titel direkt ins Auge: The Last House

Der Grund liegt darin, dass mir gerade gestern, also am Vorabend, ein Video auf Social Media ausgespielt wurde. Darin zu sehen ist eine reale Aufnahme eines Billboards in Hollywood. Bei uns sind die Flächen bekannt unter der Bezeichnung Reklametafel.

Nur kennt man aus Amerika schon einige kreative Billboards. Zum Beispiel warb Steve-O, ein Mitglied und Urgestein der Jackass-Crew, damals für ein Comedy-Special, indem er sich für 90 Minuten mit Klebeband an ein Billboard befestigen liess. Eine kleine Plattform unter seinen Füssen sorgte dafür, dass er noch etwas Halt mit den Füssen hatte. Die Aktion löste jedoch einen Polizei- und Feuerwehreinsatz aus, da man sich um seine Sicherheit sorgte. Diese half dabei, ihn sicher wieder auf den Boden zu bringen. Zwar betonte er, dass die Aktion professionell durchgeführt wurde, und kein Risiko für ihn bestand. Doch auch wenn es für ihn keine strafrechtlichen Konsequenzen gab, spendete er später 50'000 Dollar an die Feuerwehr von Los Angeles. Denn es liegt auf der Hand, dass es Zeit und Ressourcen für seine "Rettung" kostete.


Copyright / Quelle: Kent Nishimura / Los Angeles Times (Zur Vergrösserung, auf das Bild klicken)
Copyright / Quelle: Kent Nishimura / Los Angeles Times (Zur Vergrösserung, auf das Bild klicken)

Netflix setzte nun aber einen obendrauf. Die Aufnahme, von der ich das Kurzvideo sah, wurde beim Sunset Strip aufgezeichnet. Dieser ist ein Teil des Sunset Boulevards, der in West Hollywood zwischen den zu Los Angeles gehörenden Stadtteilen Hollywood und Beverly Hills liegt. (Wusste ich auch nicht. Doch Wikipedia hat es mir gerade verraten.)

Betrachtet man dieses Billboard von weiter weg, könnte man meinen, es zeige lediglich einen Teil eines Hauses. Die Eingangstür auf der linken Seite, und rechts daneben ein dreidimensionales Fenster. Ist es dann später am Tag dunkel, werden – als zusätzliches Gimmick – Tür und Fenster von innen beleuchtet. Dabei fast zu übersehen ist aber die Frage unter dem Fenster: How long can you survive? Zu Deutsch: Wie lange kannst du überleben?


Copyright / Quelle: Gina Ferazzi / Los Angeles Times (Zur Vergrösserung, auf das Bild klicken)
Copyright / Quelle: Gina Ferazzi / Los Angeles Times (Zur Vergrösserung, auf das Bild klicken)

Je näher man dem Billboard aber kommt, machen sich plötzlich auch Bewegungen innerhalb des Fensters bemerkbar. Und tatsächlich: Netflix lässt zu Marketingzwecken für drei Tage einen Schauspieler im Tiny House-artigen Raum, hinter dem Fenster, wohnen.

Man fasste es in der einen amerikanischen Nachrichtensendung auch so zusammen, dass die Marketingaktion wohl wie die Zeit mit Corona wirken sollte. Denn während des Lockdowns, bei dem das Haus und die Wohnung zu verlassen untersagt wurde, fingen manche Menschen an, auf Tafeln und Schildern Nachrichten zu schreiben. So konnte man die Nachricht vom Nachbarhaus gegenüber lesen, und blieb so halbwegs in Kontakt.


Quelle: Independent / Copyright: Netflix (Zur Vergrösserung, auf das Bild klicken)
Quelle: Independent / Copyright: Netflix (Zur Vergrösserung, auf das Bild klicken)
Quelle: Independent / Copyright: Netflix (Zur Vergrösserung, auf das Bild klicken)
Quelle: Independent / Copyright: Netflix (Zur Vergrösserung, auf das Bild klicken)

Doch was hat ein Mann in einem Haus, der Botschaften auf ein Schild schreibt und es ans Fenster hält, für eine Bedeutung? Dazu ein Haus, bei dem die Frage offen bleibt: Wie lange kannst du überleben? Um dies nun zu beantworten, muss ich zum Film übergehen.


Quelle: themoviedb / Copyright: Netflix (Zur Vergrösserung, auf das Bild klicken)
Quelle: themoviedb / Copyright: Netflix (Zur Vergrösserung, auf das Bild klicken)

Der Film begleitet das Leben der Familie Delgado aus Seattle. Vater Jason steht frühmorgens am Pier und hofft auf den richtigen Fang an seiner Angelrute. Verkörpert wird Jason von Wagner Moura, der 2015, in der Serie Narcos, in der Rolle als Pablo Escobar, grössere Bekanntheit erlangte. Als Jason die aufziehenden Wolken über dem Meer bemerkt, entscheidet er sich, nach Hause zu fahren. Zuhause, bei seiner Frau Riley, seinem Sohn Graham und dem jüngsten Familienmitglied, seiner Tochter Ruth, angekommen, geht es eigentlich schon wieder weiter zu den Weihnachtseinkäufen. Inzwischen hat auch das Unwetter bereits das Land erreicht. Gerade als sie aufbrechen wollen, stellt die Familie verwundert fest, dass sie das Haus nicht verlassen kann. Weder durch eine der Türen noch durch die Fenster. Nichts lässt sich öffnen, geschweige denn aufbrechen. Auch jegliche Kommunikation, sei es Internet oder Telefon, scheint nicht mehr zu funktionieren. Als sie ihre Nachbarn mit Handgesten um Hilfe rufen wollen, stellt die Familie mit Schrecken fest, dass auch diese in ihren Häusern eingeschlossen sind. Was also ist in ihrem Viertel los? Und wie weit reicht dieses Phänomen? Vielleicht sogar über ihr Viertel hinaus? Mithilfe von Botschaften auf Papier und Tafeln, versucht man in der Nachbarschaft mehr herauszufinden. Hat doch dieses Phänomen nicht ab dem Zeitpunkt begonnen, ab dem der Regen das Land erreicht hat?


Achtung! Weiterlesen auf eigene Verantwortung, solltest du den Film noch nicht gesehen haben. Je nachdem, könnte es nun zu einigen Spoilern kommen.

Nun ist der 21. August 2026, und ich sitze und starre ein weiteres Mal auf diesen Blogartikel. Es ist sicher schon das vierte Mal. Klar, die Hitze ist das eine, die langes Aushalten im Büro unerträglich machte. Mit heute 18 Grad ist es um einiges angenehmer. Doch die richtigen Worte zu finden, war das Andere. Immer wieder spielten sich ein paar der Szenen erneut in meinem Kopf ab. Doch auch meine Vorstellung, zu welchem Genre ich den Film am ehesten dazuzähle, war nicht leicht. Einerseits will The Last House die Geschichte einer Familie erzählen, die zwar nach aussen stark wirkt, doch aber sehr wohl auch ihre Risse hat. Diese Art von Film käme bei mir klar in das Genre Drama. Anderseits driftet der Film nach und nach in andere Genres. Was ist, wenn den eingeschlossenen Menschen nach und nach die Nahrung ausgeht, und es plötzlich ums Überleben geht? Wenn die Kinder nicht mehr zur Schule gehen, oder die Eltern zur Arbeit, und die ganze Familie auf engstem Raum zusammen auskommen muss. Wobei ich hier andeuten muss, dass Familie Delgado immerhin in einem Haus mit ein paar Zimmern – inklusive Keller, Garage und Dachboden – wohnt, und so immerhin ein Stück mehr Privatsphäre möglich ist. Man stelle sich nur mal vor, wie es für Besitzer von Tiny-Häusern oder Wohnwagen gehen musste. Wenn du in einer kleinen Wohnung wohnst, könntest du immerhin wohl noch in den Flur gehen. Und wenn ich jetzt gleich noch ein wenig mehr philosophieren darf, so frage ich mich, ob und wie lange du deine Familie auch vor den Nachbarn schützen müsstest? Da sage ich nur: Grille und Ameise. Wer diese Geschichte nicht kennt, darf sie gerne nachlesen. Vielleicht nimmt sie dann auch die ein oder andere Person zu Herzen. So haben wir also noch die Erzählung, um das Survival- und Abenteuergenres mitzunehmen. Doch auch das Horrorgenre wird bedient. Wobei ich sagen muss, eher nur angeschnitten. Jedenfalls ich, als Fan des Horrorgenres, war eher enttäuscht und gelangweilt. Und wenn ich jetzt im Nachhinein darüber nachdenke, kann es auch sein, dass es mehr in Richtung des Genre Science-Fiction drehte, als Horror. Plus hatte ich auch in der einen Szene gegen Ende das Gefühl, als hätten sie bei Fluch der Karibik kurz "Copy", und bei The Last House dann "Paste" geklickt. Will jedoch an diesem Punkt nicht zu viel spoilern, und komme nun zu meinem Fazit.



Liefe mein Fazit innerhalb einer Skala von 1 bis 10, wo 1 sehr schlecht und 10 sehr gut wäre, so läge dieses bei einer 3. Den Gedanken der Macher an sich finde ich interessant, sollte es so gewesen sein, den Zuschauern nochmals das Gefühl eines Lockdowns vor Augen zu führen. Nicht noch einmal dieses Gefühl der Einsamkeit oder Unsicherheit und Angst durchmachen zu wollen, und zu versuchen, es mit allen Mitteln zu verhindern – sofern man gemeinsam am selben Strang zieht. Dazu fühlte es sich in einigen Momenten so an, als wolle man die Story absichtlich in die Länge ziehen. Auch wenn das Tempo nach und nach etwas Fahrt aufnahm. Bei fast zwei Stunden Spielfilmlänge, und so gut wie durchgehend im selben Setting, macht es was mit einem. Jedenfalls mit mir. Denn ja, ich wurde spürbar immer nervöser, und konnte das Ende kaum noch erwarten. Wiederum auf der anderen Seite muss ich auch sagen – oder schreiben –, dass dies vielleicht von den Machern so gewollt war. Während der Dauer, von etwas über eine Stunde, den vier Darstellern dabei zuzusehen, wie sie immer am selben Ort ums Überleben und die Familie kämpfen, verträgt man am Ende vielleicht noch. Doch fast zwei Stunden Spielfilmdauer ist eine ganz andere Nummer. Und wir sprechen hier nicht von einem einzigen Tag oder einer Woche, in der die Story erzählt wird. Im Gegenteil! Auch hatte ich nur bei den beiden Kinderdarstellern hier und da das Gefühl, dass sie tatsächlich Geschwister sein könnten. Normale Zankereien zwischen Geschwistern, aber im Kern ist man doch füreinander da. Doch geht es um die Darstellung der Eltern, spürte ich lediglich zu Beginn, wenn überhaupt, das Gefühl eines tatsächlichen Ehepaars. So als wären sie sich am ersten Drehtag erstmals begegnet, und es gleich hiess, sie sollen jetzt für Drama und Unterhaltung sorgen.



Man spürt vielleicht gerade ein wenig beim Lesen, dass die Flamme in meinem Herz für Filme kaum angegangen ist, und ich auch diesen Blogartikel nur noch zu Ende schreiben möchte. Denn hätte ich The Last House im Kino gesehen, und er später auf Disc rauskäme, würde ich mir den Kauf ersparen. Genauso erspare ich mir auch die erneute Sichtung dieses Films. Da empfehle ich euch doch lieber den Film The Last House on the Left. Egal ob den von 1972 oder 2009, mit Aaron Paul. Das könnt ihr am Ende dann selber entscheiden.



Nun wünsche ich euch paar bessere Filme, und eine gute Woche.


Euer Sam




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