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Eltern sind was Tolles!

Autorenbild: Sam Kohler
Sam Kohler
vor 2 Tagen
8 Min. Lesezeit

Heutzutage hat man kaum noch Zeit und verliert bei dem ganzen Überfluss an Filmen und Serien den Überblick. Ab und zu vermisse ich die Zeit, in der TV-Magazine noch einen grossen Stellenwert hatten. So kam es immer wieder vor, dass meine Tante für uns einen passenden Film heraussuchte, wenn ich am Wochenende den Nachmittag bei meiner Cousine und Cousin in der nahen Nachbarschaft verbrachte. Meist war das an einem Sonntag wie heute, an dem ich diesen Blogartikel für euch und, klar, auch für mich selbst schreibe. Entweder lief dann ein Märchen-, Zeichentrick- oder Kinderfilm. Kam jedoch mal nichts im regulären Fernsehen, besass man noch viele Videokassetten, kurz VHS. Soweit ich mich erinnere, standen bei ihnen im Schrank vor allem VHS der Figuren wie Pingu und Pippi Langstrumpf.



Es war wirklich eine besondere Zeit. Auch als sich die Schulwochen änderten und neu nur noch aus fünf anstelle sechs Schultagen bestanden, musste eine neue Beschäftigung für mich her. Und hier wird es ehrlich gesagt – oder geschrieben – ein wenig emotional für mich. Denn meine Eltern waren Betreiber einer Bäckerei mit einem Café – was meine Lust nach einem Snack immer sehr begrüsste. Jedenfalls sahen die Tage meist wie folgt aus: Mein Vater stand immer frühmorgens auf, um drüben in der Backstube das Brot und die sonstigen Produkte herzustellen. Zwar hatte er hier und da für kurze Zeit eine Aushilfe, die ihm unter die Arme griff. Jedoch arbeitete er die meiste Zeit seiner Berufslaufbahn alleine. Als einziger Dorfbäcker trug er damit natürlich eine grosse Verantwortung, sodass alle Kunden rechtzeitig frisches Brot, Gipfeli, Mütschli oder Weggli geniessen konnten. Und ja, das war gerade dreimal Schweizerdeutsch – ihr heiligen Verteidiger der Bezeichnungen Croissant, Brötchen und Milchbrötchen. Aber Respekt an unsere Nachbarn in Österreich, die das Gipfeli anscheinend liebevoll Kipferl nennen, was der Bezeichnung Gipfeli recht nahekommt.



Schon damals fingen Supermärkte langsam an, frisches Brot zu verkaufen. Beispielsweise verkaufte einer der Supermärkte bei uns im Dorf plötzlich Brot von einer etwa acht Kilometer entfernten Bäckerei. Ich kann mich noch gut an das Schild vor dem Supermarkt erinnern, der auf meinem Schulweg lag, als diese Neuigkeit verkündet wurde. So konnten die Menschen im Dorf ihren kompletten Einkauf erledigen, ohne zusätzlich die Dorfbäckerei zu besuchen. Heutzutage gehört es zur Normalität, wodurch in meinen Augen immer mehr Handwerkbetriebe verschwinden. Jedoch bemerke ich selber, und wünsche es mir auch für alle Bäckereien mit traditionellem Handwerk, dass der Kundschaft nach und nach die Lust nach Backwaren mit Zusatzstoffen vergeht. Denn man muss verstehen, dass eine derart grosse Menge an Backwaren, die von Industriebäckereien hergestellt, und am Ende in mehreren Filialen landet, unmöglich eine lange Bearbeitungszeit beanspruchen kann. In der Industrie helfen da beispielsweise Enzyme, die den Gärprozess beschleunigen und das Brot schneller aufgehen lassen. Auch Glutenunverträglichkeit ist inzwischen in aller Munde. Diese war auch bei mir schon ein Thema. Denn wenn immer ich in den letzten Jahren ein Stück Brot aus dem Supermarkt ass, so bekam ich heftigen Reflux und mein Puls schoss in die Höhe. Nach einem medizinischen Check liess ich – natürlich in Absprache mit meiner Ärztin – mein Blut auch auf Zöliakie, also Glutenunverträglichkeit, überprüfen. Das Ergebnis war am Ende negativ, wodurch Zöliakie für den Reflux ausgeschlossen werden konnte. Auch bestellt meine bessere Hälfte immer wieder dasselbe Brot einer Traditionsbäckerei. Davon ass ich schon des Öfteren, hatte dennoch aber nie Probleme nach dem Verzehr. Sogar selbstgemachtes Brot, vertrage ich ohne Probleme. Daher vermute ich, dass die Probleme an den Zusätzen im Brot der Industriebäckereien lagen. Von daher hoffe ich persönlich, dass man vermehrt wieder auf traditionelle Bäckereien mit ihrem frischen und natürlichen Duft zugreift, oder sich was in der Industrie ändert. Natürlich riecht es auch im Supermarkt nach frischem Brot. Aufgrund von Aufbackstationen, in denen vorgebackene oder tiefgekühlte Teiglinge fertiggebacken werden, entsteht automatisch ein Duft von frischem Brot. Doch meine Erinnerung hat mich nicht getäuscht: Denn ich habe schon gelesen, dass zu Marketingzwecken auch künstlich erzeugte Düfte versprüht werden. Dies hat dann zur Folge, dass wir das dortige Brot schneller als frisch und wie hausgemacht empfinden. Als man dann vor ein paar Jahren gesundheitsbedingt unseren Betrieb im Dorf schliessen musste, gab es schon Stimmen, die all die Jahre zu schätzen wussten und aufgrund der Schliessung traurig waren. Leider gab es dennoch aber auch Stimmen, die zwar ihr Beileid aussprachen, jedoch in den Vorjahren kaum bis gar keinen Fuss mehr in die Bäckerei oder das Café setzten, und so ihr Brot wo anders kauften. Ist dies nun eine Abrechnung von mir persönlich mit diesen Menschen? Ja. Und ich bereu es keineswegs, es auch mal ausgesprochen zu haben. Sogar meine Schule fiel dazumals für eine Weile unserer Dorfbäckerei in den Rücken, als ich die sechste Klasse besuchte. Nun, das ist eine Geschichte für ein anderes Mal.



Doch ich schweife – wie man es so von mir kennt – mal wieder ab. Dennoch möchte ich euch gerne noch ein Bild meines Alltags als Kind vermitteln. Mein Vater stand wie vorher erwähnt jeden Morgen früh auf, um nebenan in der Backstube seiner Tätigkeit nachzugehen. Denn es war so, dass unser Haus direkt neben der Bäckerei und dem Café stand. Meine Mutter stand dann wenige Stunden später auf, und weckte gleich auch mich.

Danach ging es rüber ins Café, wo ich noch kurz in der Backstube meinen Vater begrüsste, und dann meist ein Gipfeli oder Weggli, zusammen mit einem Schoggidrink bzw. Kakao, zum Frühstück ass. War dieses unten im Magen, ging es schon zur Schule. Nach der Schule ass ich dann zusammen mit meinem Vater zu Mittag. Zwischenzeitlich konnte sich auch meine Mutter dazusetzen, die für die Kunden das tägliche Mittagsmenü kochte.

Also zusammengefasst: Ich hatte am Mittag jeweils zwar meinen Vater zum unterhalten, jedoch nicht – oder nur kurz – meine Mutter. Nach dem Mittagessen machte mein Vater jeweils einen mehrstündigen Mittagsschlaf, um dann am späten Nachmittag für seine zweite Schicht in der Backstube fit zu sein. Ich sass mich nach dem Mittagessen im Haus gegenüber kurz vor den TV, oder machte die ersten Hausaufgaben, bevor es je nachdem wieder zur Schule ging. Später, nach der Schule am Nachmittag, ging es weiter an die Hausaufgaben. Diese wurden meist im Café gemacht, um wenn nötig auf die Hilfe meiner Mutter zu zählen. Ab und an half mir auch meine Tante, die vor allem in der Bäckerei tätig war, oder unsere Servierkräfte. Vorausgesetzt, es war kein Nachmittag an dem meine Mutter auch mal allein im Betrieb war. Dennoch war es so, dass es immer schwer war mich vollständig auf meine Hausaufgaben zu konzentrieren. Da die Bäckerei und das Café über den ganzen Nachmittag nicht geschlossen waren, konnte immer wieder eine Kundin oder ein Kunde vorbeikommen und etwas bestellen. Und da wir kein Selbstbedienungsbetrieb waren, musste meine Mutter, wenn sie alleine war, jede Bedienung übernehmen. Dies hatte zur Folge, dass es mich immer wieder vom Lernen und Denken abhielt. Waren die Hausaufgaben dann oder schon erledigt, hielt ich mich entweder bei mir zuhause oder bei meiner Cousine und meinem Cousin, den Kindern meiner Tante, auf der anderen Seite des Betriebs, auf. Damit komme ich wieder zu dieser besonderen Zeit, die ich anfangs erwähnte. Da meine Eltern leider viel arbeiteten, besuchte ich ab und zu am Wochenende mit meinem Vater die Videothek in der nächstgelegenen Stadt. Dort durfte ich mir ein paar Filme aussuchen, die mich während der Arbeitszeit meiner Eltern beschäftigen sollten. An dieser Stelle ein Fun Fact: Es war eben die Zeit der VHS. Filme auf Disc gab es da noch nicht. Hast du also die Videokassette nicht zurückgespielt und zurückgebracht, bekam man einen nicht erfreuten Blick des Mitarbeiters zu spüren. Auch ist es mir mal passiert, dass ich den falschen Film in die VHS-Box gelegt habe, was zwei Fahrten in die Stadt zur Folge hatte.



Ab und an gab es auch ein neues Spielzeug, um mich auch so zu beschäftigen. Mit dem es aber, im Vergleich zu der VHS, dann auch möglich war hinten in der Küche des Cafés, unter den Augen meiner Mutter, zu spielen. War der Tag dann mal vorbei, gab es am Abend noch einen Film oder eine Zeichentrickserie, bevor es um etwa 21 Uhr ins Bett ging. Meine Mutter wartete oft sehr lange bis ich einschlief – was nie einfach war, und sich aufgrund meiner inneren Uhr bis heute in mir verankert hat –, bevor sie wieder rüber ins Café ging. Denn anfangs und früh in meiner Kindheit, blieb das Café jeweils noch bis 23 Uhr geöffnet.



Es war also sicher nicht einfach für meine Eltern, ein Kind mit Kleinwuchs grosszuziehen und gleichzeitig einen Betrieb zu führen, den sie von meinen Grosseltern übernommen hatten – die im Übrigen kaum bis gar nicht erfreut und bereit waren, mich, das adoptierte und Kind mit Kleinwuchs, als ihren Enkel zu akzeptieren. Bekam ich auch öfters zu spüren. Doch auch dies ist vielleicht eine Geschichte für einen anderen Blogbeitrag. Ausflüge als Familie machten wir deshalb wenig bis gar keine am Wochenende zusammen. Nur während den Ferien in unserem Wohnwagen, und der Betrieb geschlossen war, hatten wir endlich mal Zeit füreinander als Familie. Ausflüge wurden meist mit meiner Tante und ihrer Familie unternommen. Skiferien inklusive. Auch meinte meine Mutter zu mir, kurz nach der Scheidung meiner Eltern, wie oft sie sich gewünscht hätte bei all meinen Erlebnissen dabei gewesen zu sein. Ob der Besuch eines Museums, Ruinen, Veranstaltungen oder dem Europa Park. Später konnten wir dies zwar ein wenig nachholen. Doch in meinen Augen ist die prägendste Zeit eines Kindes die vor der Pubertät. Weil die Scheidung aber erst während meiner Pubertät stattfand, waren die prägendsten Jahre mehr oder weniger schon vorbei. Dennoch genoss ich es, nun auch mehr Zeit mit meiner Mutter verbringen zu können. Auch wenn ich mir wünschte, dass endlich auch mein Vater mehr Zeit hatte, und dabei sein kann. Doch wie gesagt, es ist nicht einfach, ein Kind grosszuziehen. Vor allem ein Kind, das nicht der „Norm“ entspricht und dem man immer wieder klarmachen muss, dass es nicht weniger wert ist als andere Kinder. Und damit komme ich zu dem Thema, über das ich eigentlich diesen Blogartikel schreiben wollte. Eine Serie, die diesen Monat, am 21. Oktober 26 auf Netflix, endlich eine zweite Staffel bekommt. Dies, nachdem mich die erste Staffel, von 2024, so berührt und abgeholt hat: Mütter der Pinguine


Titelbild der Serie Mütter der Pinguine. Zu sehen sind alle Darstellerinnen und Darsteller.
Titelbild der Serie Mütter der Pinguine / Copyright: Netflix

Bei dieser Serie handelt es sich um eine polnische Produktion. Regie führten die polnischen Regisseurinnen Jagoda Szelc und Klara Kochańska-Bajon, wobei Letztere auch beim Drehbuch mitschrieb. In erster Linie folgt die Serie dem Leben von Kamila Barska – Spitzname Kama –, einer erfolgreichen Kämpferin in Mixed Martial Arts, kurz MMA. Doch nebst ihrer erfolgreichen Karriere ist sie vor allem aber eins: Mutter

Als ihr Sohn, Jaś, nach einem Vorfall von der regulären Schule verwiesen wird, wechselt dieser in eine spezielle Einrichtung für Kinder mit besonderen Bedürfnissen. Einrichtungen wie diese betreuen, unterrichten und fördern Kinder, die wegen einer Beeinträchtigung eine andere Entwicklung durchmachen weder Gleichaltrige. Dabei richten sie ihr Angebot gezielt nach dem, was jedes einzelne Kind in der Einrichtung braucht. Also je nachdem, ob beim Kind eine körperliche, geistige, psychische, sprachliche oder soziale Beeinträchtigung vorliegt. Für Kama also ein komplettes Neuland, hat sie doch schon mit Ihrer Karriere und einem nach und nach stärkeren Gegner – den man im Verlauf der Serie versteht und sieht – schon mehr als genug um die Ohren.


Die Schauspielerinnen Masza Wągrocka, Barbara Wypych und Magdalena Różczka, in der Rolle als Kama, Ula und Tatiana.
Masza Wągrocka, Barbara Wypych und Magdalena Różczka, als die Mütter Kama, Ula und Tatiana. (von links nach rechts) / Copyright: Netflix

Und da muss ich kurz einhaken: Denn nachdem ich dies nun nachgelesen habe, was für eine Einrichtung damit gemeint ist, wird mir klar, warum in der Serie neben Jaś, der Autist ist, auch ein Junge im elektrischen Rollstuhl und ein Mädchen mit Trisomie 21 die Einrichtung besuchen. Also alles Kinder, die auf ihre Art und Weise von dem abweichen, was unser reguläres Schulsystem vorsieht. Besonders gut gelingt der Serie aber die Balance zwischen Drama und Komödie. Sie hat sehr wohl amüsante Momente und setzt bei einer so emotionalen Thematik nicht durchgehend auf die Mitleidsschiene. Daher punktet die Serie sehr wohl bei mir, denn ich und andere Menschen mit einem Handicap erleben oft das Gegenteil: Man kann geistig zwar mit Menschen ohne Beeinträchtigung mithalten, wird aber trotzdem immer wieder in oft falschen Situationen bevormundet oder sogar bemitleidet. Für Abwechslung sorgt die Serie, indem sie gekonnt auch zu anderen Kindern und deren Eltern aus der Einrichtung wechselt. Auch wenn sie vor allem Kama und ihrem Sohn folgt, bekommt man hautnah auch mit wie andere Familien ihren Alltag meistern. Doch ihr wisst, dass ich ein Gegner von Spoilern bin. Daher möchte ich nicht zu viel verraten, aber gebt der Serie gerne eine Chance.

Vielleicht werde ich mir vorweg nochmals die erste Staffel reinziehen, um mein Gedächtnis an das Geschehene aufzufrischen, bevor es dann an die zweite Staffel geht. Und wer weiss, vielleicht tut ihr es mir gleich, und gebt der Serie tatsächlich eine Chance. Danke jedenfalls an Netflix, dass sie einer zweiten Staffel das Go gegeben hat.


Habt eine schöne Woche, und danke dass ihr da wart. Und vergesst nicht: Eltern sind was Tolles!


Euer Sam



2 Kommentare

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Toolio
vor 2 Tagen
Mit 5 von 5 Sternen bewertet.

Schöner Blog Eintrag. Ein kleines Highlight in meiner Kindheit war, am Samstag morgen gabs immer Kakao und meine damalige Lieblingsserie He-Man :) Auch für mich war es immer aufregend, in die Videotheke zugehen. Erstens: Hat es diesen neuen Film, dort überhaupt!? Und Zweitens: Ist er noch ausleihbar? ;) Auch meine Mutter Arbeitete oft, da ich als Einzelkind mit meinen Großeltern aufwuchs. Es war nicht immer einfach aber trotzdem mochte ich vieles sehr, in diesen "einfachen/analogen" Zeiten.

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Sam Kohler
Sam Kohler
vor 17 Stunden
Antwort an

Hallo Toolio. Vielen Dank für dein Feedback, und freut mich gefällt dir dieser Blogartikel. He-Man ist glaube ich bis heute Kult. Für ein geplantes Fotoprojekt habe ich mal zwei Figuren gekauft. He-Man und Skeleton. Die Figuren sind immer noch verpackt, da es nie zum Projekt kam. Aber du sagst es, dass es immer ein Abschätzen in den Videotheken war, ob der Film noch da ist oder schon ausgeliehen. Das mit den eher einfachen und vor allem eben analogen Zeiten hast du gut gesagt. Danke. :) Sam

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